3 entscheidende Lektionen für effizienteres Steigen und bessere XC-Übergänge
Jeder Streckenflieger kennt diesen Moment:
- Du fliegst geradeaus, dein Vario fängt plötzlich kräftig an zu piepen. Du willst die Thermik zentrieren, leitest sofort die Kurve ein – und wenige Sekunden später stehst du im Sinken.
- Oder du kurbelst einen starken Bart bis zur Basis aus und verschenkst beim Abflug direkt wieder wertvolle Höhe.
Damit du in Zukunft effizienter steigst, Bärte schneller auskurbelst und deine XC-Übergänge sauberer planst, sind hier drei der wichtigsten Coaching-Reminders aus der Praxis.
1. Die 270-Grad-Methode: Die Thermik zentrieren wie ein Profi
Viele Piloten drehen bereits beim ersten Piepsen des Varios ein. Das Problem: Oft befindet sich der Schirm dann noch gar nicht im Kern, sondern lediglich am Rand des Aufwinds. Die Folge: Man beginnt zu kreisen und fliegt sich den Bart ungewollt selbst wieder kaputt.
Schritt 1: Nicht sofort kurbeln. Wenn du in Steigen einfliegst, bleib zunächst geradeaus auf Kurs. Warte den Moment ab, in dem das Steigen seinen Höhepunkt erreicht und anschließend leicht schwächer wird.
Schritt 2: Der 270-Grad-Turn. Genau beim ersten Nachlassen des Steigens leitest du die Kurve ein. Statt eines vollständigen Kreises fliegst du zunächst einen 270-Grad-Turn.
Schritt 3: Erneut beobachten. Nach dem Turn fliegst du wieder kurz geradeaus. Wird das Steigen stärker und beginnt wieder abzunehmen, leitest du den nächsten 270-Grad-Turn ein.
Bei vielen Thermiken verschiebt sich dein Flugweg dadurch automatisch in Richtung des stärksten Steigens. Anstatt blind um den Kern zu kreisen, wirst du auf diese Weise systematisch die Thermik zentrieren.
Sonderfall: Wenn die Thermik eine Linie ist
Besonders unter Wolkenstraßen oder entlang von Konvergenzen entstehen oft schmale Aufwindlinien. Diese können deutlich schmaler sein als dein üblicher Kreisradius. Wenn du dort ständig kreist, verlässt du den Aufwind bei jeder Kurve wieder.
Bleibe möglichst lange im Steigen, fliege geradeaus weiter und korrigiere nur leicht die Richtung, um im Aufwindband zu bleiben. Oft führt dich diese Linie direkt zu einem größeren Kern.
2. Folge dem Druck, nicht der Panik
Thermiken sind selten perfekt aufgebaut. Wenn du am Rand eines Aufwinds fliegst, wird oft eine Schirmseite früher angehoben als die andere.
Drehe in den meisten Fällen in den Druck hinein. Wird beispielsweise die rechte Schirmseite angehoben, befindet sich der stärkere Teil des Aufwinds häufig rechts von dir. Drehst du stattdessen nach links weg, verlässt du genau den Bereich, den du eigentlich nutzen möchtest.
Kenne deinen Schirm
Moderne XC-Schirme verhalten sich beim Einfliegen häufig anders als ältere Generationen. Viele aktuelle Schirme stellen sich kaum noch auf oder hängen zurück. Stattdessen entsteht oft das Gefühl, dass die Kappe aktiv in Richtung des stärkeren Steigens ziehen möchte. Lerne diese Eigenheiten kennen, dann erkennst du Thermiken oft früher als das Vario!
3. Der perfekte Ausflug aus der Thermik
Viele Piloten konzentrieren sich darauf, möglichst effizient nach oben zu kommen. Dabei wird häufig vergessen, dass auch der Ausflug aus der Thermik entscheidend für die XC-Leistung sein kann.
Liegt dein nächstes Ziel in Rückenwindrichtung, erscheint es logisch, die Thermik genau dort zu verlassen. In der Praxis befindet sich im Lee einer Thermik jedoch häufig ein Bereich mit stärkerer Turbulenz und sinkenden Luftmassen. Wer diesen Bereich direkt durchquert, verliert oft unnötig Höhe.
Bessere Alternativen:
Strategie 1: Der Gegenwind-Ausflug. Die sicherste Variante besteht meist darin, die Thermik zunächst gegen den Wind zu verlassen. Dort ist die Luft häufig sauberer strukturiert. Sobald du wieder in ruhiger Luft fliegst, kannst du auf deinen geplanten XC-Kurs einschwenken.
Strategie 2: Der Tangenten-Ausflug. Verlasse die Thermik über die sogenannte Schulter – also ungefähr im 45- bis 90-Grad-Winkel zur Windrichtung. Dadurch umgehst du oft die stärksten Sink- und Turbulenzbereiche.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Hab Geduld beim Einfliegen – kurbel nicht sofort.
- Nutze die 270-Grad-Methode: So wirst du systematisch die Thermik zentrieren.
- Wenn der Aufwind eine Linie ist, fliege eine Linie.
- Folge beim Zentrieren stets dem Druck im Schirm.
- Lerne die Pitch-Eigenheiten deines Schirms kennen.
- Verlasse starke Thermiken möglichst nicht direkt über die Leeseite.